Laufgänge ziehen sich durch den Oberotterbacher Westwall-Abschnitt. Noch heute sind sie gut sichtbare Einschnitte im Wald. © Uta Enders

© Uta Enders

© Uta Enders

Wie kam es dazu?

Wie kam es dazu?

© BUND RLP, Eva-Maria Altena

Alternative Verkehrssicherung

Aufgrund des naturschutzfachlichen Werts von Bunkerruinen sind diese mit Sorgfalt und Vorsicht zu behandeln. Im Optimalfall überließe man sie einer natürlichen Sukzession. Allerdings können durch die Sprengungen in der Nachkriegszeit auch Gefahrenstellen für Menschen entstanden sein, die im Zuge der Ver­kehrs­sicherungspflicht beseitigt werden müssen. Die Stiftung „Grüner Wall im Westen – Mahnmal ehemaliger Westwall“ ist in Rheinland-Pfalz verantwortlich für die Verkehrs­sicherheit an den meisten Standorten des ehemaligen Westwalls unter Achtung des Naturschutzes. Hier muss der Spagat gelingen.

Bevor die Relikte des Westwalls von der Bundesrepublik ins Eigentum des Landes RLP übergingen, wurden die Ruinen im Zuge der Verkehrssicherung eingezäunt oder gar beseitigt – beides sind naturschutzfachlich abzulehnende Maßnahmen. Wertvolle Habitate werden zerstört oder deren Nutzung durch Tiere eingeschränkt.

Empfohlene Vorgehensweise
Vogelnest

© BUND RLP, Eva-Maria Altena

Im Einklang mit Denkmal- und Naturschutz

Zunächst werden die Ruinen klassifiziert: Eine Ruine an einem Spielplatz muss besser gesichert werden, als eine abgelegene Ruine mitten in einem Waldgebiet. Ein stark gesprengter Bunker mit tiefen Spalten und hervorstehenden Eisen bedarf einer höheren Aufmerksamkeit, als ein kaum gesprengtes Bauwerk oder eine Ruine, von der lediglich ein Schutthaufen übrig ist.

Ist eine Maßnahme zwingend erforderlich, wird sie möglichst im Einklang mit der Natur durchgeführt. Eingänge zu Stollen oder ehemalige Bunkertüren werden nicht mit Stahltüren verplombt, wenn sie zu einem Lebensraum für Tiere wurden. Sie bekommen spezielle Vergitterungen, die ein Einfliegen von Fledermäusen ermöglichen und ein Schlupfloch für Säugetiere wie Füchse oder Wildkatzen belassen.

Ehemals nur teilweise beseitigte Ruinen, die zertrümmert und übererdet wurden, können inzwischen wieder gefährliche Spalten aufweisen. Im Lauf der Zeit ist die über den Trümmerhaufen geschüttete Erde nachgerutscht und wurde zwischen die Betonbrocken gespült. Hier ist eine erneute Verschließung unerlässlich. Die unterirdischen Hohlräume können bereits von Tieren besiedelt worden sein oder können es potentiell werden – sie sollen erhalten bleiben. Um sowohl die Sicherheit zu gewährleisten, als auch dem Naturschutz Genüge zu tun, können Betonrohre eingebaut werden, wie sie auch im Straßenbau verwendet werden. Der Mehraufwand ist verhältnismäßig gering, der Nutzen umso größer. Durch diese Röhren können z.B. Füchse die Ruinen wieder besiedeln, für Menschen insbesondere für Kinder sind die Durchmesser jedoch zu gering.

Bei stark gesprengten Ruinen wurden die zahlreichen hervorstehenden Eisen in der Vergangenheit oft abgetrennt, wodurch scharfe Schnittkanten entstanden. Einige Vögel, wie der Zaunkönig, bauen ihre Nester an und um die hervorstehende ehemalige Monierung, was nach dem Abtrennen nicht mehr möglich wäre. Inzwischen wurden Werkzeuge erprobt, die ein einfaches Verbiegen der Eisen möglich machen. So bleiben sie erhalten und der Arbeitsaufwand wird verringert.

Dies sind nur einige Beispiele, die zeigen, dass der Spagat zwischen Verkehrssicherung und Naturschutz gelingen kann. Der BUND hat hier eine solide Vorarbeit geleistet, auf die die Stiftung aufbauen kann. Die „Alternativen Verkehrs­siche­rungs­maßnahmen“ werden kontinuierlich weiterentwickelt und an die jeweiligen Einzelfälle angepasst, so dass im Laufe der Zeit ein umfangreiches Repertoire entstehen wird.

Nach oben