Hitler besucht in 1939 Steinfeld und wird mit Jubel empfangen. © Stadtarchiv Bad Bergzabern

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Arbeitsfront

© Uta Enders, gesehen im Zepelinmuseum Friedrichshafen

Als offizieller Baubeginn des sogenannten Westwalls gilt der Befehl Adolf Hitlers vom 28. Mai 1938 „zum gewaltigen und beschleunigten Ausbau unserer Verteidigungsfront im Westen“. Die seit 1936 vorangetriebenen Planungen sahen vor, in wenigen Monaten eine etwa 630 km lange Grenzbefestigung von Kleve bis zur Schweizer Grenze mit rund 18.000 Bunkern und Panzersperren fertigzustellen. Der Westwall diente dem nationalsozialistischen Deutschen Reich zur Vorbereitung seines Angriffskrieges im Osten, indem die „Westfront“ propagandistisch als scheinbar uneinnehmbar herausgestellt wurde. Voraussetzungen für diese kriegsvorbereitenden Maßnahmen waren der Austritt des Deutschen Reiches aus dem Völkerbund im Jahr 1933 sowie die Verletzung des Versailler Vertrages durch Aufstellung der Wehrmacht (1935) und die militärische Besetzung des Rheinlandes (1936).

Mit der Durchführung des Vorhabens wurde die für diesen Zweck geschaffene „Organisation Todt“ betraut. Die Arbeiten führten Angehörige der Organisation Todt, der Pionierstäbe der Wehrmacht und des Reichsarbeitsdienstes aus. Zeitweise waren bis zu 500.000 Arbeiter beim Bau des Westwalls eingesetzt. Zur Disziplinierung der Arbeiter entstand im Kontext des Westwallbaus ein polizeiliches Überwachungs- und Strafsystem („Arbeitserziehungslager“ in Hinzert). 1940/41 und ab Herbst 1944 waren auch ausländische Zwangsarbeitskräfte am Westwall eingesetzt.

Propagandaminister Joseph Goebbels schuf unter Einsatz zahlreicher Medien den Mythos vom unbezwingbaren „Westwall“, auch um den großen Arbeitsaufwand und die enormen Kosten (knapp 3,5 Milliarden Reichsmark) zu rechtfertigen. Außenpolitisch diente diese Propaganda der Abschreckung und der Durchsetzung der aggressiven Ziele des NS-Regimes (wie etwa der Zerschlagung der Tschechoslowakei), innenpolitisch der psychologischen Mobilisierung der Bevölkerung auf einen Krieg hin. Obwohl der Westwall nie fertiggestellt wurde, ging diese Strategie auf.

Mit dem Überfall auf Polen am 1. September 1939 und der Besetzung der Beneluxländer und Frankreich seit Mai 1940 hatte sich die militärische Bedeutung der Anlage vorerst erledigt. 1944 diente der Westwall den sich zurückziehenden deutschen Truppen als psychologische Stütze, auch wenn der direkte militärische Nutzen bis Kriegsende gering blieb.

Weiterführende Literatur

Schmachtenberg, Werner: Der Westwall in Rheinland-Pfalz, Studien zur historisch-politischen Bildung, Hg. von Berhard Kukatzki und Uwe Bader, Band1, Entstehung, Bauten, Wirkung, Relikte. Die Geschichte des Westwalls.

Fings, Karola: Im Westen nichts Neues? Ein kritischer Seitenblick auf Literatur zum Westwall. In: Geschichte in Köln 54 (2007), S. 262-270

Fings, Karola: Erinnerungskultur entlang des Westwalls. Das Problem affirmativer Praktiken und der Sonderfall Hürtgenwald, in: Geschichte im Westen 27 (2012), S. 25-52

Übel, Rolf; Röller, Oliver (Hrsg.): Der Westwall in der Südpfalz. Otterbach-Abschnitt. Ludwigshafen am Rhein 2012